Immer mehr Social Media Plattformen bedienen die Verbrauchernachfrage nach Internetpräsenz. Diese versuchen ihre Persönlichkeit durch Postings von Fotos, Videos und Zitaten auszudrücken. Es entsteht ein reger Austausch zwischen den Nutzern, die sich durch „likes“ virtuelle Anerkennung vermitteln. Auch die Partnersuche wird durch diverse Plattformen vereinfacht, die bekannteste hierzu ist Tinder. Um sich anzumelden benötigt man ein Facebook Account und ein Smartphone. Tinders geheimer Algorithmus „Elo-Score“ schlägt den vermeintlich passenden Partner vor.
Meine Archivarbeit What has Love got to do with it behandelt die Themen: Fake Identität, Selbstdarstellung, die Sucht nach Anerkennung und parallel dazu die Suche nach Liebe - welches das Ursprungsziel von Tindernutzung ist. Ich erstellte mir für diese Arbeit selbst ein Account, teils zur Selbsterfahrung (wie werde ich durch Tinder beeinflusst?) und um mir ein Archiv von Screenshots anzulegen, die u.a. In folgende Kategorien unterteilt sind: Bodies, Animals, Underaterlove u.v.m. So ist eine Feldforschung entstanden nach der Frage von Individualität in der fotografischen Selbstdarstellung. Ist der Habitus hier noch erkennbar oder geht er verloren?

Anders als Richard Prince, der vergrößerte, auf Leinwand aufgezogene Screenshots fremder Instagram-Porträts zeigte, möchte ich nicht die Individualität hervorheben, sondern die Masse. Daher werden die Screenshots auf eine Papierrolle gedruckt, als Tapete aufgehängt und durch einen Katalog aus der virtuellen Welt entrissen. Betrachter*innen sollen auf die Massenverarbeitung diverser Plattformen aufmerksam gemacht werden, bei der das Wesentliche des Menschen verloren zu gehen scheint: die Menschlichkeit.

Gerade die Thematik Habitus, beschreibt gut was in meiner Archivarbeit die wesentliche Frage ist: Ist eine Distinguierung des Einzelnen in der Tinder-Masse möglich oder geht hierbei die Individualität nicht gar verloren? Meine Installation zeigt bisher 400 Tinder User und ein Katalog von 120 Seiten, Es bietet den Betrachter *innen sich selbst zu vergleichen mit den Subjekten und die Subjekte untereinander zu vergleichen. Die Installation wird dem Raum angepasst, so dass der Betrachter bei Eintritt in den Ausstellungsraum sofort mit der Masse konfrontiert wird.

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